Einführung in die armenische Schrift
Die armenische Sprache verwendet ein eigenes Alphabet, das 405 n. Chr. von Mesrop Mashtots entwickelt wurde. Hier sind die ersten fünf Buchstaben mit Aussprache (ähnlich wie im Deutschen):
- Ա (groß) / ա (klein) – „a“ wie in „Apfel“
- Բ (groß) / բ (klein) – „b“ wie in „Ball“
- Գ (groß) / գ (klein) – „g“ wie in „Garten“
- Դ (groß) / դ (klein) – „d“ wie in „Dach“
- Ե (groß) / ե (klein) – „je“ wie in „Jemand“ (am Wortanfang), sonst „e“ wie in „See“
- Weitere Buchstaben: Զզ, Էէ, Ըը, Թթ, Ժժ…
- Rest des Alphabets (insgesamt 39 Buchstaben, Fokus auf häufige wie Հ, Ն, Ս)
Übung: Drucke die Vorlage mit den einzelnen Buchstaben aus und male sie aus, fülle sie mit Mustern, beschreibe sie etc. Eigene Ideen sind herzlich Willkommen
Schwierige Konsonanten im Armenischen und ihre Aussprache
Das Armenische unterscheidet zwischen drei Arten von Konsonanten bei Plosiven (z. B. p, t, k): stimmhaft, stimmlos nicht aspiriert und stimmlos aspiriert. Das ist für deutsche Sprecher oft ungewohnt, da das Deutsche nur zwischen stimmhaft (z. B. „b“) und stimmlos (z. B. „p“) unterscheidet, ohne die zusätzliche Aspiration.
1. Plosive (p, b, t, d, k, g)
Im Armenischen gibt es für viele Konsonanten drei Varianten. Hier sind Beispiele mit Erklärung:
- Բ բ („b“) – Stimmhaft wie im Deutschen „Ball“.
- Beispiel: Բարև (Barew) – „Hallo“
- Tipp: Stimme vibriert im Hals.
- Պ պ („p“ nicht aspiriert) – Stimmlos, ohne Luftstoß.
- Beispiel: Պապիկ (Papik) – „Großvater“
- Tipp: Wie „p“ in „Spinne“ (kein „ph“-Laut wie in „Pferd“).
- Փ փ („p‘“ aspiriert) – Stimmlos mit starkem Luftstoß.
- Beispiel: Փող (P‘ogh) – „Geld“
- Tipp: Wie „p“ in englischem „pen“, mit hörbarem Hauch.
- Դ դ („d“) – Stimmhaft wie im Deutschen „Dach“.
- Beispiel: Դուռ (Durr) – „Tür“
- Տ տ („t“ nicht aspiriert) – Stimmlos, ohne Luftstoß.
- Beispiel: Տուն (Tun) – „Haus“
- Tipp: Wie „t“ in „Stark“, kein Hauch.
- Թ թ („t‘“ aspiriert) – Stimmlos mit Luftstoß.
- Beispiel: Թե (T‘e) – „Wenn“
- Tipp: Wie „t“ in englischem „top“.
- Գ գ („g“) – Stimmhaft wie im Deutschen „Garten“.
- Beispiel: Գիրք (Girk) – „Buch“
- Կ կ („k“ nicht aspiriert) – Stimmlos, ohne Luftstoß.
- Beispiel: Կին (Kin) – „Frau“
- Tipp: Weich, wie „k“ in „Skala“.
- Ք ք („k‘“ aspiriert) – Stimmlos mit Luftstoß.
- Beispiel: Քաղաք (K‘aghak‘) – „Stadt“
- Tipp: Wie „k“ in englischem „cake“.
Übung: Sage nacheinander: Բար (Bar), Պար (Par), Փար (P‘ar). Spüre den Unterschied zwischen Stimme, weichem „p“ und gehauchtem „p“.
2. Zischlaute und Affrikaten
Diese Laute sind oft schwierig, weil sie im Deutschen nicht in dieser Form vorkommen:
- Ծ ծ („ts“ nicht aspiriert) – Stimmlos, weich.
- Beispiel: Ծառ (Tsarr) – „Baum“
- Tipp: Wie „ts“ in „Katze“, aber ohne Hauch.
- Ձ Ձ („dz“) – Stimmhaft.
- Beispiel: Ձուկ (Dzuk) – „Fisch“
- Tipp: Wie „ds“ in „Windsurfen“, mit vibrierender Stimme.
- Ց ց („ts‘“ aspiriert) – Stimmlos mit Luftstoß.
- Beispiel: Ցուրտ (Ts‘urt) – „Kalt“
- Tipp: Wie „ts“ mit starkem Hauch, fast wie „tsh“.
- Չ չ („tsch“ aspiriert) – Stimmlos mit Luftstoß.
- Beispiel: Չորս (Tschors) – „Vier“
- Tipp: Wie „tsch“ in „Tschechien“, mit Hauch.
- Ջ ջ („dsch“) – Stimmhaft.
- Beispiel: Ջուր (Dschur) – „Wasser“
- Tipp: Wie „j“ in englischem „jungle“.
Übung: Vergleiche: Ծառ (Tsarr), Ձուկ (Dzuk), Ցուրտ (Ts‘urt). Achte auf Stimme und Hauch.
3. Andere schwierige Konsonanten
- Ղ ղ („gh“) – Ein gutturaler Laut, ähnlich einem weichen „g“ oder französischem „r“.
- Beispiel: Ղեկ (Ghek) – „Lenkrad“
- Tipp: Aus der Kehle, fast wie ein gerolltes „r“.
- Ճ ճ („tsch“ nicht aspiriert) – Stimmlos, weich.
- Beispiel: Ճաշ (Tschasch) – „Mittagessen“
- Tipp: Wie „tsch“, aber ohne Hauch.
- Շ շ („sch“) – Stimmlos, wie im Deutschen.
- Beispiel: Շուն (Schun) – „Hund“
- Tipp: Einfach wie „sch“ in „Schule“.
- Խ խ („ch“) – Guttural, wie deutsches „ch“ in „Bach“.
- Beispiel: Խոսել (Chosel) – „Sprechen“
- Tipp: Tief aus der Kehle.
Tipps für deutsche Lernende
- Aspiration üben: Halte ein Blatt Papier vor den Mund. Bei aspirierten Lauten (Փ, Թ, Ք) bewegt es sich, bei nicht aspirierten (Պ, Տ, Կ) nicht.
- Stimme spüren: Lege eine Hand an den Hals. Bei stimmhaften Lauten (Բ, Դ, Գ) vibriert es, bei stimmlosen (Պ, Տ, Կ) nicht.
- Langsam sprechen: Teile Wörter in Silben, z. B. Քա-ղա-ք (K‘a-gha-k‘).
- Hören und nachmachen: Suche online nach armenischen Aussprachevideos (z. B. auf YouTube).
Übungsliste
- Sage laut: Պետք (Petk‘) – „Muss“ / Քիթ (P‘it) – Nase.
- Vergleiche: Կար (Kar) – „Es war“ / Քար (K‘ar) – „Stein“.
Die zwei „r“-Buchstaben im Armenischen und ihre Aussprachen
1. Gerolltes „r“ – Ռ ռ
- Phonetik: Ein gerolltes, trillendes [r] – die Zunge vibriert mehrfach gegen den Gaumen.
- Im Armenischen: Entspricht dem Buchstaben Ռ ռ.
- Beispiel: Ռոմ (Rrom) – „Rom“.
- Beschreibung: Die Zungenspitze schlägt 2–4 Mal gegen den oberen Gaumen, was einen „rollenden“ Klang erzeugt. Es ist laut und betont.
- Vergleich: Ähnlich dem „rr“ im spanischen „perro“ oder einem schottischen „r“ in „red“.
- Für Deutsche: Nicht im Standarddeutschen üblich, aber wie ein übertriebenes „rrrr“, z. B. beim Imitieren eines Motors.
- Übung: Sage „rrrr“ und halte die Vibration, dann kürze es zu „Rrom“.
2. Weiches „r“ – Ր ր
- Phonetik: Ein weicher, alveolarer Flap oder Tap [ɾ] – die Zunge tippt nur einmal kurz gegen den Gaumen.
- Im Armenischen: Entspricht dem Buchstaben Ր ր.
- Beispiel: Հայր (Hayr) – „Vater“.
- Beschreibung: Ein kurzer, leichter Zungenschlag, ohne Vibration. Es klingt weich und unauffällig.
- Vergleich: Ähnlich dem „r“ im spanischen „pero“ oder einem sehr kurzen „r“ im Japanischen.
- Für Deutsche: Kein direkter deutscher Laut, aber ähnlich einem „r“, das fast wie ein weiches „d“ wirkt, z. B. in „Butter“ im amerikanischen Englisch (flüchtiges „t“).
- Übung: Sage „Hayr“ langsam: „Ha-yr“. Die Zunge berührt den Gaumen nur einmal kurz, ohne zu rollen.
3. Französisches „r“ (Uvular)
- Phonetik: Uvularer Frikativ [ʁ] oder Trill [ʀ] – wird im Rachen (mit dem Zäpfchen) erzeugt.
- Im Armenischen: Existiert nicht als eigenständiger Buchstabe, kann aber in einigen westarmenischen Dialekten als Variation des „ր“ auftreten (z. B. durch Einfluss anderer Sprachen).
- Beispiel: In manchen Dialekten könnte Հայր (Hayr) wie „Haygh“ klingen.
- Beschreibung: Ein gutturaler Laut, entweder gerieben (wie ein „ch“) oder leicht gerollt, aber aus der Kehle. Im modernen Französisch meist ein Frikativ.
- Vergleich: Wie das „r“ in französischem „rue“ oder „Paris“. Im Deutschen ähnlich dem „r“ in „Rachen“, aber weicher.
- Für Deutsche: Vertraut als Variante des deutschen „r“ im Süden (z. B. Bayern), aber im Französischen oft rauer oder leiser.
- Übung: Gurgel leicht im Rachen, als würdest du „ch“ sagen, aber mit Stimme: „ghhh“. Dann sage „rue“ (ʁy).
Vergleichstabelle
Eigenschaft | Gerolltes „r“ (Ռ) | Weiches „r“ (ր) | Französisches „r“ |
Phonetik | [r] (Trill) | [ɾ] (Flap) | [ʁ] oder [ʀ] (Uvular) |
Zungenposition | Zungenspitze am Gaumen | Zungenspitze, einmalig | Zäpfchen im Rachen |
Vibration | Mehrfach (gerollt) | Keine (nur ein Schlag) | Keine oder leicht (Dialekt) |
Beispiel | Ռոմ (Rrom) – „Rom“ | Հայր (Hayr) – „Vater“ | Franz. „rue“ (ʁy) |
Im Deutschen | Nicht üblich, wie „rrrr“ | Ähnlich „r“ in „Butter“ | Ähnlich „r“ in „Rachen“ |
Klang | Laut, betont | Weich, kurz | Guttural, rau oder sanft |
Übungen für alle drei Laute
- Gerolltes „r“:
- Sage „Ռոմ“ (Rrom). Rolle das „r“ 2–3 Mal: „Rrrom“.
- Tipp: Starte mit einem langen „rrrr“ und kürze es.
- Weiches „r“:
- Sage „Հայր“ (Hayr). Teile es in „Ha-yr“ – das „r“ ist ein kurzer Schlag.
- Tipp: Vermeide Rollen, nur ein Tippen der Zunge.
- Französisches „r“:
- Sage „rue“ (ʁy). Erzeuge den Laut im Rachen, wie ein leises „gh“.
- Tipp: Imitiere ein leichtes Gurgeln, z. B. „ghhh“, dann füge Vokale hinzu.
- Vergleich:
- Sprich nacheinander:
- Առնետ (Ratte) – gerolltes „r“.
- Բարի (Nett) – weiches „r“.
- Աղավնի (Taube) – Franz. „r“
- Sprich nacheinander:
Hinweise für deutsche Lernende
- Gerolltes „r“: Übe das Rollen separat (z. B. wie ein Hundeknurren), dann in Wörtern.
- Weiches „r“: Konzentriere dich darauf, die Zunge nicht zu oft zu bewegen – nur ein Schlag!
- Französisches „r“: Nutze den Rachen, nicht die Zunge. Wenn du „ch“ in „Bach“ kannst, füge Stimme hinzu.
© Margarit Karapeetjan, 2025. Nur für Unterrichtszwecke